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Anfang 2008 verschwand Gaby Köster, Comedian und Schauspielerin, plötzlich von der Bildfläche. Die laufende Tour wurde abgebrochen und es herrschte absolute Nachrichtensperre, die von ihrem Management auch gerichtlich durchgedrückt wurde. Gerüchte über den Tod von Gaby Köster blühten in sämtlichen Fanforen auf. Am 07.09.2011 kam Gaby Köster mit einem Auftitt im Fernsehen zurück an die Oberfläche. Halbseitig gelähmt und mit einem Buch im Gepäck. Klappentext Gaby Köster ist wieder da! Und räumt auf! Mit Gerüchten und Lügen über ihre Krankheit. Schonungslos. Wahr und aufrichtig ehrlich. Mit großer Klappe und großem Herz! Laut und lustig. Sensibel und traurig. Eben 100% Gaby Köster. Wie man sie kennt und liebt. Daten Autor: Gaby Köster mit Till Hoheneder Titel: Ein Schnupfen hätte auch gereicht – Meine zweite Chance Verlag: Scherz Seiten: 255 ISBN-10: 3502151881 ISBN-13: 978-3502151883 Preis: 18,95 € Rezension Wer Gaby Köster aus dem Fernsehen kennt, kennt eine agile Frau die offensichtlich Hummeln im Hintern hat. Gaby Köster zu sehen bedeutete viel Gestik, unendlich komisches Mienenspiel und vor allem: eine große Klappe. Die große Klappe ist das einzige, was auf den ersten Blick von dieser Frau übrig geblieben ist. Im Januar 2008 erlitt Gaby Köster einen schweren Schlaganfall. Sie war damals 46 Jahre alt. Von einem Moment auf den anderen wurde von einer überaktiven Frau ein bettlägeriger Schwerstpflegefall. Denn der Körper spielte nicht mehr mit. Frau Köster musste ins Koma gelegt werden, ein Stück ihres Schädels wurde entfernt um dem anschwellenden Gehirn Platz zu machen. Sie kam zurück aus dem Koma, aber die Linke Seite will bis heute nicht so wie sie. Nach über drei Jahren bricht Gaby Köster nun ihr Schweigen und erzählt in diesem Buch ihre ganz persönliche Geschichte vom Leben vor und nach dem Schlaganfall. Leider hetzt sie dabei vollkommen wirr durch die Zeiten, springt von ihrer Frühzeit im Kneipenviertel von Köln auf den Urlaub vor dem Anfall, danach zurück auf die Bühne, um dann auf das Leben ihres Sohnes zu kommen. Ein wüstes Durcheinander, dass es dem Leser schwer macht, mit zu kommen. Das ist Gaby Köster, es steckt in diesem Buch unendlich viel Persönlichkeit, das nehme ich ihr sofort ab, aber wer ein Buch veröffentlicht, sollte auch an den Leser denken; hier wäre sicherlich auch der Verlag in der Pflicht gewesen. Das was Gaby Köster erzählt ist interessant. Es gibt einen guten Einblick in das Leben eines preisgekrönten Comedians in Deutschland. Leider fehlt für die Zeit nach dem Schlaganfall diese Nähe, die Gaby Köster in den alten Erzählungen schafft. Sie hat etwas schreckliches hinter sich. Sie hat ihre Würde und ihre Selbstbestimmung mit der Fahrt ins Krankenhaus abgegeben und sie bis heute noch nicht komplett wieder erhalten, weil ihr Körper nicht mitspielt. Ich kann sie sehr verstehen. Ich kann auch verstehen, dass es unendlich schwer fällt so auf das Leben zu blicken, wie es Gaby Köster in diesem Buch tut. Schonungslos, aber mit der gleichen zynischen Schnauze, die ihr so zu eigen ist. Jeder Mensch, der einmal ins Krankenhaus musste und nicht mehr so konnte, wie er wollte, weil der Körper sich gegen einen richtet wird verstehen können, dass sie vieles einfach lieber im Dunklen lässt. Allerdings geht es in diesem Buch weniger um die zweite Chance, weniger um den Kampf gegen den eigenen Körper, als mehr darum, was Gaby Köster einmal war und wer sie begleitet hat auf ihrem langen Weg zurück. Das ist auch vollkommen in Ordnung, nur wird leider auf dem Cover und dem Klappentext eine andere Erwartungshaltung geschürt. Denn man erwartet die Geschichte von Frau Kösters Schlaganfall, von ihrem Kampf zurück. Natürlich auch von den Menschen und dem Leben vorher, aber mehr Augenmerk auf das, was sie durchmachen musste. Dieses Buch schrieb ein Mensch, der beinahe gestorben wäre. Ein Mensch, der sein bisheriges Leben komplett begraben musste. Ein Mensch, der bis heute nicht die komplette Kontrolle über seinen Körper hat. Ein Mensch, der sicherlich mehr als einmal mit seinem Schicksal gehadert hat. Es ist unglaublich schwer zu begreifen was es heißt, die Kontrolle zu verlieren. Umso beeindruckender ist der Schritt, den Gaby Köster gewagt hat. Auch wenn sie vieles aus der Zeit nach dem Schlaganfall nur anreißt kann man doch erahnen, wie viel Kraft es sie gekostet haben muss, nur diese kleinen Dinge zu erzählen. Und wie viel mehr Kraft es sie gekostet haben muss, überhaupt so weit zu kommen. Was mich allerdings etwas ärgerlich zurücklässt ist der horrende Preis. Fast 20 Euro für ein Buch von nicht einmal 300 Seiten zu verlangen ist schon heftig. Da tut der Verlag weder sich noch Frau Köster einen Gefallen mit. Fazit: Ein schonungslos offenes und ehrliches Buch, das aber trotzdem um den heißen Brei herum tanzt. Für Gaby Köster-Fans auf jeden Fall geeignet, für Menschen die etwas über Schlaganfälle und das Leben damit lesen wollen allerdings nur bedingt geeignet.
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