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Newcomerin Carina Bargmann im Interview PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kettenleser   
Samstag, den 25. September 2010 um 15:28 Uhr

Portrait Carina BargmannSoziale Netzwerke sind auch für Kettenleser eine tolle Sache. Man findet uns ja nicht nur auf Twitter und Lovelybooks.de, sondern auch bei StudiVZ, SchülerVZ und seit neuestem auch Facebook.

Über diese Portale haben wir schon einige tolle Kontakte zu Autoren und anderen Bücherverrückten knüpfen können, worüber wir uns wirklich sehr freuen. Und Facebook ist auch schuld daran, dass wir auf der Leipziger Buchmesse am 20. März 2010 die junge Autorin Carina Bargmann interviewen durften. Denn Katleah ist auf ihren Account dort gestoßen und hat einfach mal angefragt.

Carina Bargmann, geb. 1991, besucht zur Zeit noch die Oberstufe eines Gymnasiums und lebt mit ihrer Familie in Braunschweig, Niedersachsen. Schon mit 15 schrieb sie ihren ersten Roman, der jedoch nicht veröffentlicht wurde. Nach einem weiteren Versuch, der ebenfalls bisher unveröffentlicht ist, begann sie mit 17 Jahren, an ihrem Debutroman Sayuri zu schreiben, der im Januar 2010 vom Arena Verlag veröffentlicht wurde.

Bevor das Interview startete, konnten wir an Carinas Lesung teilnehmen. Sie trug zwei Stellen aus Sayuri vor, die einen gleich in den Bann schlugen – Kompliment an dieser Stelle noch einmal für den sicheren und schönen Vortrag.

Das Interview führten Katleah und Lonice, Judith Blümcke vom Arena Verlag nahm ebenfalls daran teil.

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Kettenleser (KL): Du bist im selben Alter wie die von den Feuilletons hoch gelobte Helene Hegemann. Sie wurde für den Leipziger Buchpreis nominiert (Anm. der Red.: Den sie allerdings nicht gewonnen hat), wie stehst du dazu?

Carina: Ja, so eine richtige Meinung dazu habe ich in diesem Sinne nicht. Sie ist einfach eine Autorin, wie alle anderen auch, schreibt aber in einem anderen Genre und einen ganzen anderen Stil als ich. Bewundernswert, dass sie bereits mit ihrem ersten Werk einen solchen Erfolg hat. Ich glaube, ich hätte diesen extremen Medienrummel gar nicht so gerne, weil ich noch genug mit dem Abitur zu tun habe. Ich freue mich einfach darüber, wie es bei mir läuft und … jedem das Seine.

KL: Wie stehst du als Autorin zu dieser Nominierung, gerade hinsichtlich des Plagiatsvorwurfs und den Vorwürfen, dass die neue Generation von Autoren eine solche sei, die mit dem Urheberrecht gar nichts mehr anfangen kann?

Carina: Davon möchte ich mich distanzieren! Die Generation kann damit was anfangen.
Als ich 12 war und meine erste Geschichte geschrieben und nebenher unter anderem Harry Potter gelesen hatte, meinte mein Bruder nachdem er meine Geschichte gelesen Carina Bargmann bei einer Lesunghatte, man merke schon, wann ich Harry Potter parallel gelesen hatte. Dabei hatte ich keine Namen übernommen, ich hatte keine Zauberschule oder ähnliches, aber ich war immer mehr Richtung Zaubern gegangen. Und dann war ich immer epischer geworden, als ich Herr der Ringe gelesen hatte. Ich habe gemerkt: „Huch, okay, da musst du noch mal aufpassen, dass dir solche Parallelen nicht passieren.“

Und das ist mir ganz wichtig, dass ich nicht abschreibe. Klar, irgendwo übernimmt man seine Ideen immer, man bastelt sich das aus seinen eigenen Erlebnissen, aus Geschichten, die man erzählt bekommt, gelesen, gehört oder gesehen hat oder im Fernsehen gesehen hat zusammen, aber man sollte aufpassen, dass es etwas Neues wird, dass es wirklich nirgendwo abgekupfert ist.

Es kann natürlich passieren, dass man irgendwo Parallelen hat, bei denen man es selbst gar nicht weiß. Mir ist Urheberrecht total wichtig, weil ich ja auch nicht will, dass jemand von mir abschreibt. Wenn man von Anfang die Quellen nennt – okay, aber alles andere ist falsch.
Das finde ich eher schlecht. Da finde ich es auch schwierig zu sagen: „Boah, die junge Autorin hat viel Tolles geschrieben“, wenn sie es abgeschrieben hat. Weil es dann auch nicht wirklich ihr Schreibstil ist. Man kann viel kopieren, aber jemand, der kopiert, ist nicht gut im Erfinden von Geschichten, dem fehlt anscheinend die Fantasie. Gerade das Entstehen der Geschichte ist sehr wichtig – für mich zumindest. Ich bastle tierisch gerne und lange am Plot und an den Personen und das ist ja auch das Herz der Geschichte. Und wenn ich das übernehmen würde, hätte ich nichts eigenes Erschaffen und ich wäre nicht stolz darauf.

KL: Also würdest du auch die ganzen Bücher und Filme, was du gerade nebenher aufschnappst, als Inspiration sehen?

Carina: Inspiration ja, aber nicht als Quelle zum Abschreiben.

KL: Du hast ja schon erwähnt, dass du auch noch zwei andere Bücher geschrieben hast.

Carina: Zwei Romane, im Sinne von Geschichten, nicht Bücher, die veröffentlicht wurden.

KL: Ist die Thematik dort ähnlich wie bei Sayuri, oder doch eher weit weg davon?

Carina: Ganz weg nicht, es ist auch Fantasy, eine Geschichte spielt sogar in einer Wüste, wie in Sayuri, aber diese Übereinstimmung ist mir relativ spät aufgefallen. Ansonsten ist sie ganz anders.
Ich habe im Fantasybereich angefangen, weil es einfacher ist, sich eine Welt zu entwerfen, als sich an Fakten zu halten. So kann ich mir alles einfach ausdenken und nach meinen Regeln funktionieren lassen. Aber wenn ich mehr Zeit habe, umfangreich zu recherchieren, dann schreibe ich vielleicht auch mal eine Geschichte, die in der realen Welt spielt. Das fände ich nämlich auch sehr spannend.

KL: Dürfen wir fragen, worum es in deinem nächsten Buch geht?

Carina: Ein paar Kleinigkeiten kann ich sicherlich schon verraten.
Kettenleser on Tour-LogoMan wird feststellen können, dass unsere Welt nicht alles ist, es gibt noch wesentlich mehr: zwei Welten, die parallel zu unserer existieren, eine Elfen- und eine Zwergenwelt. Also ich hole das eigentliche Fantasy in unsere Welt und versuche daraus Urban-Fantasy zu machen. Ein ganz normales Mädchen wird plötzlich in die Situation gestoßen, dass sie zwischen diesen Welten existiert und dass diese Welten zu eins werden zu drohen und sie muss das verhindern. Und natürlich verliebt sie sich auch noch – dann werden wir sehen, was draus wird. Aber eigentlich ist es noch sehr offen.

KL: Liest du auch sehr viel?

Carina: Ich lese sehr viel, ja. Also, einmal für die Gerstäcker-Jury. Der Friedrich-Gerstäcker-Preis ist ein Braunschweiger Jugendbuch-Literaturpreis, der Älteste, den es gibt. Im halben Jahr lese ich dafür ca. 20 Bücher, von denen mir nicht alle gefallen, aber es gibt auch ganz viele tolle Bücher darunter. Es ist allerdings schön, dass man vielfältige Romane bekommt, die man selbst gar nicht unbedingt aus dem Bücherregal aussuchen würde. Das Lesen für die Jury ist Pflicht und die anschließenden Besprechungen sind interessant.
Wenn meine Geschwister neue Bücher haben, lese ich sie oft vor ihnen, wenn sie nichts dagegen haben. Wenn ich selbst in die Buchhandlung gehe und mir was suche, sind es meistens doch Fantasybücher. Markus Heitz lese ich gerne, Bernhard Hennen, Cassandra Clare habe ich auch mit Begeisterung gelesen, Isabel Abedi – da gibt’s einige, wo ich meinen Spaß bei hab.

KL: Wann schreibst du so? Hast du da feste Zeiten oder einfach, wenn dir was in den Kopf kommt?

Carina: Eigentlich immer. Ich kann mir keine festen Zeiten setzen, weil ich mit schulischen Aufgaben täglich unterschiedlich lange beschäftigt bin und in meiner Freizeit mit der evangelischen Jugend Freizeiten, Wochenendseminare, Aktionen vorbereite und durchführe oder einfach mit Freunden unterwegs bin und dies ja auch unregelmäßig Maskottchen Tiescher und das Leipzig liest Programmstattfindet. Aber immer, wenn ich zu Hause bin, keine Pflichten erledigen muss und der Laptop in der Nähe ist, schreibe ich voller Eifer und dann auch bis spät in die Nacht. Ich stelle fest, dass ich ab 20 Uhr am produktivsten bin. Entweder es läuft oder es läuft nicht.

KL: Du hast ja auch gerade vorgelesen. Machst du das gerne oder sagst du da eher, dass ist so ein Teil, was du machen musst?

Carina: Am Anfang hab ich gedacht „Oh mein Gott, lesen! Du kannst es nicht, du magst es nicht, du hast dich in Vorlesewettbewerben schon immer total blamiert, weil du zu schnell gesprochen hast und dann Worte und Sätze verschluckt und verdreht hast.
Ich habe mir Hilfe von einer Schauspielerin geholt. Die hat mir ein paar Übungen gezeigt und mir das langsame und deutliche Reden eingeschärft. „Immer schön den Mund weit aufmachen!“ Ja, dann geht das gut und es macht mir jetzt auch Spaß, wenn ich merke, dass es funktioniert. Ich habe ein Mal vor einer Grundschulklasse gelesen und ich fand es total faszinierend. Wie sie alle plötzlich leise wurden und zugehört haben, also, dann macht‘s richtig Spaß! Und wenn man dann noch Feedback bekommt, ist das auch schön.

KL: Thema Cover: kann man da selber als Autor mitentscheiden?

Carina: Ich habe, glaube ich, ein Veto-Recht. Ich finde das Cover aber einfach toll und dementsprechend hatte ich nichts auszusetzen. Zum Glück ist es nicht pink, weil ich Pink nicht mag, aber das Lila ist schön.

KL: Wie hat sich dein Leben dadurch verändert, dass du jetzt ein Buch veröffentlicht hast und ja auch Lesungen hältst?

Carina: Vor allem bin ich selbstsicherer geworden, gerade weil ich so viel positive Resonanz erfahren habe. Ich war sehr gespannt, wie fremde, unvoreingenommene, kritische Menschen mein Buch finden würden, und bin erstaunt und froh, dass es so gut ankommt. Ich freue mich, dass ich mit meinem Buch andere Menschen anspreche, begeistere, dass ich nette Menschen kennengelernt habe und dass der Rummel um die Buchveröffentlichung sich in Grenzen hält, so dass ich mich problemlos überall bewegen und auf die Schule konzentrieren kann.
Und ich freue mich aufs Weiterschreiben.

KL: Zum Schluss: Wie gehst du mit Interviewpartner um, die dein Buch nicht gelesen haben?

Eingang (Glashalle) der Leipziger MesseCarina: Ich habe bisher noch nicht das Gefühl gehabt, dass die Interviewpartner mein Buch nicht gelesen haben, von daher weiß ich jetzt gar nicht, wie ich damit umgehen würde. Ich glaube, ich würde freundlich und nett Antwort geben und mich fragen, „Was möchte der jetzt eigentlich?“ Aber bis jetzt hatte ich nur positive Erfahrungen mit Interviewpartnern gemacht.

Verlag: Meist beziehen sich die Fragen von Journalisten auf die Person Carina Bargmann. Man merkt schon den Unterschied, zu euch, zum Beispiel. Die Reporter interessiert es eher, was Carina nebenher macht, weil sie noch so jung ist. Es sind vor allem Fragen, die auch diejenigen Leser interessiert, die das Buch nicht kennen.

Wir bedanken uns noch einmal bei Carina und Frau Blümcke für das nette Interview und die freundliche Aufnahme. Uns hat die knappe Stunde viel Spaß gemacht.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 30. April 2012 um 11:57 Uhr
 

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