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Sommer, Sonne, Lesen! - Heute: Lea Kortes Sommertagebuch Teil 1 und 2 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Lonice   
Freitag, den 09. Juli 2010 um 05:37 Uhr

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Vor ein paar Tagen hat euch Ela von ihrem perfekten Sommertag erzählt und heute habe ich schon wieder eine Buchfreundin ausgegraben, die euch ein bisschen aus ihrem Leben im Sommer erzählen möchte.

 

Es handelt sich dabei um die deutsche Autorin Lea Korte, die sich für unsere Sommeraktion bereit erklärt hat, uns ein bisschen von ihrem Leben unter der Sonne Spaniens und den kleinen und großen Geschichten dazu zu erzählen.

 

Ich bin gespannt, ob dieses Tagebuch genauso spannend wird, wie Leas Buch "Die Maurin", dass wir euch schon vorgestellt haben.

 

Ich wünsche euch jedenfalls viel Spaß mit Leas Leben!

Euer Kettenleser!

 

Cover Die Maurin

Heute:

 

„Qué asco de viento!“ - oder: Warum Übersetzen so schwierig ist.

Das spanische Autorenleben hat ohne Zweifel seine Vorteile. Wenn man, wie ich, ein Arbeitszimmer hat, in dem es ab dem frühen Nachmittag unerträglich heiß wird, dann muss man nicht stumm vor sich hin leiden und schon gar nicht zerfließen, sondern man kann seine Manuskripte und Fachbücher in die Strandtasche packen und seinen Arbeitsplatz an den Strand verlegen.

 

Mein Lieblingsstrand hat einen hohen Felshügel auf der Südseite, so dass ich noch nicht einmal einen dieser mörderischen Sonnenschirme brauche, um mich ganz in Ruhe und von einer milden Meeresbrise erfrischt im Schatten in meine Unterlagen zu vertiefen. Gestern erwartete mich statt der Brise allerdings ein ziemlich strammer Wind. Beim Schwimmen fand ich ihn angenehm, aber als ich mich später über meine Unterlagen hermachte, hatte ich einige Mühe, meine Notizen daran zu hindern, übers Meer hinaus auf Nimmer-Wiedersehen zu verschwinden. Und dann kam auch noch eine richtig dicke Bö auf, die mir, genau wie den anderen Strandgästen, eine dicke Ladung Sand entgegen schleuderte.

 

„Ai, qué asco de viento!“, schimpfte da eine Spanierin neben mir.

 

Und in dem Moment musste ich mal wieder darüber denken, wie schwierig übersetzen doch ist – vor allem, wenn man glaubt, man könne eins zu eins übersetzen, sprich, dass jedes Wort ein genaues Äquivalent in der anderen Sprache hat, denn dem ist einfach nicht so.

 

Foto Lea KorteDas Wort „asco“, zum Beispiel, wird in der Regel in einem ganz anderen Zusammenhang benutzt, nämlich dann, wenn man etwas richtig Ekliges und Widerwärtiges vor sich hat – meist gepaart mit dem angewiderten Verziehen des Gesichtes und dem schrill-hysterischen Schrei eines Mädchen: „Ai, qué asco!“

 

Aber in dem Zusammenhang kann man die Schimpfsalve über den Wind kaum sehen; Wind und Ekel passt einfach nicht zusammen. Der Ausruf wäre wohl weit eher zu übersetzen als: „Menno, dieser bescheuerte Wind!“ oder: „Hach, was für ein Mistwind!“ – aber das fände man nie so in einem Wörterbuch. Schon eine seltsame Sache mit dem Sprachen, nicht wahr? Sicher habt ihr schon ganz ähnliche Erfahrungen gemacht. Wollt ihr mal erzählen?

 

Heute:

 

Trick 17 - oder: Wie man aus seinen Leuten Bestleistungen herausholt ...

 

Dass ich am Strand wirklich arbeite und nicht nur doch heimlich faulenze, kann unter anderen auch der Kellner des kleinen Strandcafés bestätigen, in dem ich gern einen "café americano con hielo" trinke, wenn ich mal eine Denkpause brauche - oder so viel schreiben muss, dass ich am Tisch im Café besser aufgehoben bin als auf meinem herrlich großen Strandlaken.

 

Gestern habe ich so viel geschrieben, dass dieser Kellner mich schließlich gefragt hat, ob ich hier einen Roman schreiben will - woraufhin ich lachen musste. Aber noch sitze ich nicht an dem Roman, sondern an den Recherchen. So kamen wir auf mein letztes Buch, "Die Maurin", zu sprechen. Als er hörte, dass es darin um die Reconquista geht, war er - als gebürtiger Marokkaner - sofort begeistert. Wir haben dann auch über die Eroberung von Spanien durch die Mauren geredet (711), und er hat mir ein Detail erzählt, das mir entfallen war, aber bemerkenswert ist:

 

711 ist der muslimische Statthalter von Tanger (Marokko) Tarik ibn Ziyad mit seinen arabischen und berberischen Anhängern auf der iberischen Halbinsel eingefallen und hat sie innerhalb von 4 Jahren bis nach Frankreich (Poitiers) hoch erobert. In den meisten Geschichtsbüchern steht nur, dass er auf der iberischen Halbinsel "auf wenig Widerstand" traf, zumal die Ureinwohner froh waren, dass die sie beherrschenden Westgoten aus dem Land getrieben wurden. Aber Tarik hatte zur Motivierung seiner Männer auch einen sehr klugen Trick angewandt, an den mich nun der Kellner erinnerte: Als Tarik mit seinen Soldaten in Südspanien gelandet war, gab er seinen Leuten nämlich den Befehl, alle ihre Schiffe zu zerstören, so dass sie nicht zurück nach Marokko segeln konnten - und seine Truppe wusste damit: Entweder sie würden die iberische Halbinsel erobern - oder auf ihr untergehen.

 

Das nenne ich doch mal ein schlagkräftiges Argument, das Beste aus sich herauszuholen, was? ;-)

 

Übrigens: So ganz zufällig ist es nicht, dass "mein" Kellner diese Geschichte kennt. Er ist, wie gesagt, nicht nur Marokkaner, sondern heißt überdies selbst Tarik - und hat von daher natürlich ein besonderes Interesse an seinem großen Namensvetter.

 

Mehr über Lea und ihre Bücher findet ihr auf ihrer Website: www.leakorte.com!

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 07. August 2010 um 22:49 Uhr
 

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